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Geschichte der Graphologie
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Lavater und Zeitgenossen

Johann Kaspar Lavater wird immer als einer der gedanklichen Initiatoren der Graphologie im deutschen Sprachraum genannt.

Der Zürcher Prediger lebte von 1741 - 1801 und ist durch seine „Physiognomischen Fragmente“ berühmt geworden, in denen Rückschlüsse gezogen werden von der äußeren Erscheinung eines Menschen, insbesondere von den Gesichtszügen auf das innere Wesen und seinen Charakter. Zu Lebzeiten übte Lavater eine starke Anziehungskraft auf seine Mitwelt aus.

"Physiognomik ist die Wissenschaft, den Charakter (nicht die zufälligen Schicksale) des Menschen im weitläufigsten Verstande aus seinem Aeußerlichen zu erkennen: Physiognomie im weitläufigsten Verstande wäre also alles Aeußerliche an dem Körper des Menschen und den Bewegungen desselben, in sofern sich daraus etwas von dem Charakter des Menschen erkennen läßt."

Goethe:

"Man wird sich öfters nicht enthalten können, die Worte Physiognomie, Physiognomik in einem ganz weiten Sinne zu brauchen. Diese Wissenschaft schließt vom Äußern aufs Innere. Aber was ist das Äußere am Menschen? Wahrlich nicht seine nackte Gestalt, unbedachte Gebärden, die seine innern Kräfte und deren Spiel bezeichnen! Stand, Gewohnheit, Besitztümer, Kleider, alles modifiziert, alles verhüllt ihn. Durch alle diese Hüllen bis auf sein Innerstes zu dringen, selbst in diesen fremden Bestimmungen feste Punkte zu finden, von denen sich auf sein Wesen sicher schließen läßt, scheint äußerst schwer, ja unmöglich zu seyn. Nur getrost! Was den Menschen umgiebt, wirkt nicht allein auf ihn, er wirkt auch wieder zurück auf selbiges, und indem er sich modificiren läßt, modificirt er wieder rings um sich her. So lassen Kleider und Hausrath eines Mannes sicher auf dessen Character schließen. Die Natur bildet den Menschen, er bildet sich um, und diese Umbildung ist doch wieder natürlich; er, der sich in die große weite Welt gesetzt sieht, umzäunt, ummauert sich eine kleine drein, und staffirt sie aus nach seinem Bilde."

Heute wird er zumeist lediglich als eine historische Persönlichkeit behandelt, die nur aufgrund der Bekanntschaft zu Goethe Erwähnung findet. Die beiden, durch eine Freundschaft verbunden, tauschten miteinander Scherenschnitte und Schattenrisse von ihnen bekannten Leuten aus, um alle in anhand von Kopfform und Antlitz Aussagen über die betreffenden Charaktere zu machen. Die Vorgehensweise war dabei exakt die gleiche wie später bei der Graphologie: der Analogieschluß von einem zum anderen, vom Äußeren auf das Innere, gewissermaßen vom der Schale zum Kern

In seinen vielbeachteten und für die Nachwelt einflußreichen Werk "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe", das aus vier Bänden besteht, entwirft Lavater im dritten Band nähere gedanken zur Schriftdeutung. 5 Tafeln mit 3 oder 4 Handschriftabdrücken werden beigefügt und interpretiert.

Grundsätzlich bemerkt Lavater zu den Möglichkeiten der Schriftdeutung:

"Nicht den ganzen Charakter, nicht alle Charakter, aber von manchen Charaktern viel, von einigen aber wenig, läßt sich aus der bloßen Handschrift erkennen."

"Die Verschiedenheit der Schrift eines und desselben Menschen ist kein beweis gegen die Bedeutsamkeit der Handschrift, sondern vielmehr ein klarer Beweis dafür, daß sich die Handschrift des Menschen nach seiner jedesmaligen Lage und Gemütsverfassung richtet."

Ich fasse zusammen: Der Kern und Leib des Buchstabens, die Form, der Schwung des Buchstabens, seine Höhe und Länge, die Lage des Buchstabens, der zusammenhang der Buchstaben, die Weite udn Enge der Buchstaben und Schiefheit der zeilen, die Reinlichkeit der Schrift, Leichtigkeit, Schwere sind zu unterscheiden. Wen alles dies harmonisch ist, das ist, als harmoisch auffällt, ist's sehr leicht, etwas Bestimmtes von dem Hauptcharakter des Schreibers zu erfahren."

Lavater gilt allgemein als der bedeutendste Vorgänger der Graphologie. In seinem Werk nimmt die Schriftdeutung zwar nur eine untergeordnete Rolle ein, doch handelt es sich die um ersten systematischen Ansätze und Überlegungen zu diesem Thema.

Auch wenn sich später die Wege von Lavater und Goethe trennen, bleibt festzuhalten, daß der Einfluß Goethes gerade auf die Physiognomie Lavaters ebenso wie auf die Überlegungen zur Schriftdeutung nicht unerheblich waren.

"Daß die Handschrift des menschen Bezug auf dessen Sinnesweise und Charakter habe, ... ist wohl kein Zweifel.

Goethe besaß eine umfangreiche Autographensammlung. In einem Gespräch mit seinem Sekretär Eckermann äußert er, daß ihn selbst nur die Zeit davon abgehalten hat, sich intensiver mit der Materie auseinaderzusetzen.

In den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhundert machte der evangelische Theologe Adolf Henze durch eine recht umfangreiche Sammlung von Handschriften auf sich aufmerksam, die er samt dazugehörigen Interpretationen im Jahre 1862 zu einem Buch mit dem Titel „Chirogrammatomantie“ zusammenfaßte. Er soll über 70000 Handschriften gedeutet haben - mit treffender und verblüffender Richtigkeit, wie manche zu berichten wissen. Und doch könnte man wohl keines seiner Gutachten heute einem Kunden verkaufen, liest man doch überwiegend Zeilen wie diese:

„Diese Schrift Pikkoloflöte, taufrisch wie das junge Gras und lieblich wie das Johannisfünkchen, das freilich nur an sommerlichen Abenden existieren kann: Zarte Sehnsucht, süßes Hoffen. Eine Bräutigamsphysiognomie, der vom ewigen Lächeln der Mund langweilig wird …“

Henze stellt in seinem Hauptwerk, das über 1000 Handschriftenfaksimiles enthält, 12 Schriftgattungen und deren Gegensätze fest:

1. Große, kräftige und markige Züge: Mut,
kleine, unsichere und schwache Züge: Feigheit.

2. Eckige, schartige und ausschlagende Züge: Streitsucht,
kleine, milde und ruhige Züge: Freundlichkeit.

3. Stämmige, rohe und unpolierte Züge: Derbheit,
schmächtige, einschmeichelnde und natürliche Schrift: Feinheit

4. Mittelgroße, stehende und zusammenkriechende Buchstaben: Geiz,
große, ausschweifende und unbesonnenen Schrift: Verschwendung.

5. Mittelgroße, rührige und elastische Buchstaben: Fleiß,
nachlässige, weiche udn schläfrige Schrift: Faulheit.

...

Adolf Henze hat bereits 1855 ein Buch mit Dichterhandschriften herausgegeben hat. Darin heißt es zum Beispiel über Goethe:

"Schrift mit Adleraugen, die von der Zinne herab das Thal überschauen, griechische Nase und hohe Stirn".

Henze über Hölderlins Schrift:

"Zerrissene, stierblickende Züge, ein zertrümmertes Capitol".

 

 

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