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Institut für Graphologie

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Geschichte der Graphologie
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Die Franzosen

Es war ein Franzose, der den Begriff "Graphologie" als erster prägte. Vorher war viel von Schriftdeutung, von Deutung der Handschrift und von Physiognomie der Schrift, usw. die Rede. Von Graphologie sprach man zuvor nicht.

Derjenige, der im Jahre 1875 das erste umfassende Lehrwerk zu jenem Thema mit dem Titel "System der Graphologie" herausbrachte und von dem hier die Rede ist, war Jean-Hippolyte Michon. Michon (1806 - 1881) war Priester, Archäologe, Botaniker, Architekt, Geologe, Graveur, Historiker und Romanschriftsteller. Er verfaßte mehr als 50 Publikationen - Monographien, Biographien, Reisebeschreibungen und Romane. Die Graphologie, der er sich in seinen letzten Lebensjahren intensiv widmete, war seine letzte große Leidenschaft. 1871 erschien eine erste Veröffentlichung von ihm zum Thema Schriftdeutung, 1875 folgte das schon erwähnte Hauptwerk, welches seinen Autor bald über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt werden ließ.

Michon gründete eine erste graphologische Fachzeitschrift, führte den ersten Graphologenkongreß und rief die erste graphologische Gesellschaft ins Leben.

Nie zuvor gab es ein Werk, das die Schriftdeutung derart systematisch und verdichtet zu Papier gebrach hat. Michon hat als Grundlage für sein Werk viele Schriftproben zusammengetragen und aus der Inbeziehungsetzung von Schriftform und der ihm bekannten Eigenschaften jener Personen seine Schlüsse gezogen:

dünne, oft fehlende Querstriche Willensschwäche
Betonung der Querstriche Willenskraft
hakenförmige Züge Egoismus
sinkende Zeilen Pessimismus, Schwermut
schwankende Zeilen Unbeständigkeit
gerade Zeilen Beständigkeit
steigende Zeilen Ehrgeiz
Winkelschrift Strenge
weite Schrift, schlechte Raumausnutzung Verschwendung

Der Einfluß von Michon auf die Graphologie wird gerne unterschätzt. Oft ist nur von Crepieux-Jamin, Klages, Pulver, Pophal oder anderen die Rede. Und doch haben die meisten zu einem sehr großen Prozentsatz ihr System auf dem von Michon aufgebaut, ob sie es zugeben wollen oder nicht. Schätzungsweise 70 % und mehr aller heute bekannten Schriftzeichen sind schon von Michon beschrieben und von den Nachfolgern mehr oder weniger weitergegeben, sei es in direkter oder indirekter Form, sei es modifiziert oder erweitert.

Mit Henze weiß Michon wenig anzufangen:

"In der Chiriogrammatomantie des Deutsche Adolf Henze habe ich absolut nichts gefunden, mit gutem Grund, denn, wenn er eine Methode gehabt hätte, so hat diese als Geheimnis aufbewahrt, das er mit niemanden teilen wollte, trotz des umfangreichen Buchs, das er veröffentlicht hat."

Von Lavater hält er hingegen mehr:

"Was Lavater über Graphologie geschrieben hat, ist völlig vage; es muß jedoch anerkannt werden, daß er auf dem richtigen Wege war. Vielleicht hätte er ein System aufgestellt, wenn er länger gelebt hätte."

Die Theorie der festen Zeichen (signé fixes, signé negatives)

Eine Besonderheit an Michons graphologischem System und was später vielfach kritisiert wurde, war, daß er ein Interpretationssystem der "festen Zeichen" (signe fixes) entwarf. Wie oben beispielhaft dargestellt, beschrieb er eine Menge besonderer Schriftzeichen; und wo diese nun erkennbar wurden, bestand für ihn kein Zweifel, daß entsprechende Eigenschaften beim Schreiber vorhanden sein mußten. Er war seiner Sache derart gewiß, daß er da, wo diese Zeichen fehlten, auch auf den Mangel der entsprechenden Eigenschaften schloß.

Von diesem Schematismus wandte man sich in der späteren Graphologie weitgehend ab. Klages, Pulver, Pophal, Saudek und viele andere kritisieren das System von Michon als unsinnig, schablonenhaft und unzulänglich. Und trotzdem bauen im Grunde alle auf ihm auf.

Michon beschreibt schon früh ein (heute weitgehend umstritten und besonders von den deutschen Graphologen abgelehnt) graphologisches Verfahren, das zumeist seinem Nachfolger und Kritiker Crépieux-Jamin zugeschrieben wird - die Lehre von den Resultanten. Gemeint ist eine deuterische Methode, bei der indirekt auf einen Charakterzug geschlossen wird. Im Gegensatz zum festen Zeichen handelt es sich beim der Resultante um ein komplexes Merkmal.

Zeichen Eigenschaft Resultante

geneigte Schrift

häufige Kurven

Abwesenheit der Egoismusschleife

Gefühlshaftigkeit

Sanftmut

Selbstlosigkeit

anziehendes Wesen

Seine eigene Handschrift gibt Michon in seinem Hauptwerk als Musterbeispiel für die oben genannte Eigenschaft (anziehendes Wesen) an. Diesen in manchen Augen vielleicht etwas überzogenen Hang zu Selbstdarstellung und Eigenlob teilt er allerdings mit anderen (z. B. Klages) Graphologen, die ebenfalls ihre Handschrift ins positive Licht rücken und als vorbildhaft hinstellen.

Jules Crépieux-Jamin (1858 - 1940) ist neben Michon der bedeutendste französische Graphologe und vielfach von noch größerem Einfluß auf die spätere Graphologie als sein Vorgänger und Lehrmeister.

Crépieux-Jamin kritisiert an seinem Lehrmeister vor allem die Lehre der festen Zeichen. Seiner Ansicht nach ist ein solches System zu mechanisch.

"Die Handschrift ist eine Harmonie, deren Akkorde der Graphologe auflöst und sie in einer anderen Gestalt wieder zusammenfügt... wenn wir ein einzelnes Zeichen an sich betrachten, so hat es einen absoluten Wert; im Zusammenhang mit anderen Zeichen ist dieser Wert nur relativ, denn die Zeichen werden im allgemeinen in ihren Deutungen beeinflußt und verändert, und die richtige Note ist erst gefunden, wenn sie in Einklang mit den übrigen einzelnen Noten steht."

Crépieux-Jamin unterscheidet:

1. Dominanten - das sind die hervorstechenden, ins Auge fallenden, intensiven Schriftzeichen.

2. Resultanten - jene Zeichen die sich aus mehreren Dominanten ergeben. So nahm Crépieux-Jamin an, daß die Dominanten Egoismus, Leidenschaftlichkeit und Lebhaftigkeit auf die Resultante Ungerechtigkeit schließen lassen.

Damit gestaltet er sein System zweifellos etwas flexibler als sein Vorgänger, zumal noch ein weiteres, wen auch nicht völlig neues Element hinzukommt.

3. Harmonie der Handschrift - das ist wenig anderes als der Eindruckscharakter, als das, was die Deutschen, Lavater und Henze, zuvor fast ausschließlich zur Grundlage der Schriftdeutung erhoben. Eine Schrift scheint dem Franzosen harmonisch, wenn sie klar, einfach, nicht ausschweifend und übermäßig groß gestaltet ist.

Auch die gegenwärtige französische, frankophone und diesem Einfluß unterliegende Graphologie fußt auf dem Harmoniebegriff Crépieux-Jamins. Der Begriff Der Schriftharmonie bildet hier auch heute noch die wesentliche Grundlage für die Interpretation.

Die französische Graphologie, und nicht nur sie, aber diese doch ganz besonders, ist bis heute zutiefst von Michon und Crépieux-Jamin beeinflußt, und zwar so sehr, daß ihr von anderer Seite, besonders von der Deutschen immer wieder der Vorwurf zugetragen wird, eine sogenannte Zeichendeuterei zu betreiben.

 

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